Früher saßen in jeder Klasse drei Michaels und zwei Christinas – heute muss ein Vorname einzigartig sein. Ein augenzwinkernder Blick auf die neue Namensvielfalt, samt regulärem Ausdruck für den Notfall.
Am Anfang war … ein ganz einfacher Name
Blicken wir einmal zurück in unsere Grundschulzeit Anfang der 80er-Jahre. Die heutige Namensvielfalt war unseren Eltern unbekannt. In einer typischen Grundschulklasse gab es damals mindestens drei Michaels, zwei Christinas, ein paar Alexanders und zwei Kathrins.
Unsere Eltern fanden diese Namen einfach schön. Ob im Umkreis von 20 km noch ein weiteres Kind so hieß, war ihnen egal. Und auch wir Kinder kamen prima damit klar. Fiel in der Schule ein Name, wussten wir trotzdem gleich, wer gemeint war. Wir wussten, dass wir nicht einzigartig waren, und stürzten deswegen nicht gleich in eine Sinnkrise. Auch unsere Lehrer und Kindergärtnerinnen hatten es leicht: Die Namensvielfalt hielt sich in Grenzen.
Das Universum ist nicht gefährdet
Aber die Zeiten haben sich geändert. Heutige Namen müssen einzigartig sein, kein Name darf im Umkreis von 50 km schon vergeben sein. Haben die Eltern Angst, dass ihre Kinder in eine Identitätskrise stürzen, wenn sie eines Tages ihrem eigenen Namen gegenüberstehen? Das gesamte Universum wird deshalb sicher nicht gleich kollabieren (Star Trek hat es bewiesen).
Viele neue Namen entstehen, indem Silben bestehender Vornamen kombiniert werden. Aus Lena und Jonas wird zum Beispiel Leonas. Hier haben sich die Eltern immerhin noch Gedanken über den Namen gemacht.
Einfacher geht es mit Namensgeneratoren, von denen es im Internet genug gibt. Manche Lehrer sind sich heute nicht mehr sicher, ob sie eine Klasse mit Menschen aus Fleisch und Blut unterrichten oder ob ihnen personifizierte Avatare aus „World of Warcraft“ gegenübersitzen.
Mathematischer Grundkurs am Beispiel Naomi Campbell
Kritisch wird es erst, wenn Lehrkräfte und Erzieherinnen einer ganzen Schar von Kindern gegenüberstehen, deren Eltern sich Naomi Campbell als Namensvorbild ausgesucht haben. Der Vorname Naomi ist schon zu gewöhnlich, als dass man ihn noch benutzen könnte. Also werden die beiden inneren Vokale variiert. Die deutsche Sprache hat fünf Grundvokale: A, E, I, O, U. Für jede der beiden Stellen gibt es fünf Möglichkeiten, das ergibt 5 × 5 = 25 Namen. Eine Klasse mit 25 Schülerinnen könnte heutzutage also durchaus so aussehen:
Naami, Naemi, Naimi, Naomi, Naumi,
Neami, Neemi, Neimi, Neomi, Neumi,
Niami, Niemi, Niimi, Niomi, Niumi,
Noami, Noemi, Noimi, Noomi, Noumi,
Nuami, Nuemi, Nuimi, Nuomi, Nuumi
Kleiner Tipp für das Namens-Tohuwabohu
Wer in die Verlegenheit gerät, in einem Computerprogramm nach einer dieser Naomi-Varianten suchen zu müssen, kommt mit diesem regulären Ausdruck ans Ziel:
N[aeiou]{2}mi

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