Fakeshops sind wie Unkraut: Wird einer dichtgemacht, sprießen zwei neue aus dem Boden. Ein gut gemachter Fakeshop ist nur sehr schwer zu erkennen – am Beispiel des Shops reckberg.com zeige ich, auf welche Merkmale du achten solltest.
Stand: Juli 2022. Der hier beschriebene Shop ist inzwischen nicht mehr erreichbar, die Domain existiert nicht mehr (geprüft im Oktober 2026). Die Merkmale, an denen man ihn erkennen konnte, helfen aber auch bei anderen Shops weiter.
Was Fakeshops wollen: dein Geld und deine Daten
Ein gemeinsames Merkmal aller Fakeshops sind Preise, die im Vergleich zu anderen Angeboten extrem niedrig sind. Dabei geht es den Betreibern nicht nur ums Geld: Die persönlichen Daten der Kunden sind fast ebenso wertvoll wie das ergaunerte Geld. Das an einen Fakeshop verlorene Geld ist zwar ärgerlich, schwerer wiegen jedoch die Unannehmlichkeiten, die durch einen Identitätsdiebstahl entstehen.
So wirkt ein Fakeshop seriös
Um erfolgreich zu sein, muss ein Fakeshop zwei Hürden überwinden. Zuerst braucht er eine seriös wirkende Website mit angegliedertem Onlineshop. Steht diese, muss Google von der Seriosität des Shops überzeugt werden. Erst dann werden die Produkte bei einer Google-Suche gefunden und in Google Shopping angezeigt. Etwas verwunderlich finde ich, dass Google selbst bei auffällig günstigen Produkten nicht hellhörig wird und zumindest eine Warnung einblendet.
Im Impressum eines Fakeshops stehen meist die Daten einer real existierenden Firma – vorzugsweise einer kleineren, die selbst keinen Internetauftritt hat. Damit sind nicht nur die Kunden des Fakeshops geprellt: Die im Impressum genannte Firma wird mit einer Flut von Anzeigen verärgerter Pseudokunden konfrontiert.
Mein Tipp: Vor einem Kauf in einem unbekannten Shop – zumindest bei größeren Beträgen – den Namen des Shops googeln. Die Namen von Fakeshops tauchen relativ schnell in verschiedenen Verbraucherforen auf.
Das Beispiel reckberg.com
Ein Beispiel für einen aufwendigen – aber durch einen Schreibfehler leicht zu enttarnenden – Fakeshop ist reckberg.com. Die Google-Suche nach einem Siemens-Gefrierschrank führt (Stand 15. Juli 2022) fast zwangsläufig auf diesen Shop. Glücklicherweise wird im Netz bereits vor ihm gewarnt. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis der Shop von der Bildfläche verschwindet. Leider nicht für lange: Meist dauert es nur ein paar Tage, bis ein Shop „umgebaut“ ist und wieder auf die Jagd nach ahnungslosen Schnäppchenjägern gehen kann.
Der Preis: zu schön, um wahr zu sein
Der Siemens-Gefrierschrank GS51NUWDP ist im Fakeshop für 548,99 Euro erhältlich. Bei den Elektronikhändlern Media Markt und Saturn kostet er 699,99 Euro, Amazon bietet ihn für knapp 680 Euro an. Die Seite selbst macht zunächst einen seriösen Eindruck.
Das Impressum: eine gestohlene Identität
Als Shopbetreiber ist im Impressum eine Reckeberg GmbH mit Sitz in Leipzig angegeben. Die Reckeberg GmbH ist eine real existierende Firma, die jedoch nichts mit dem Fakeshop zu tun hat. Der Fakeshop hat ihre Identität gestohlen.
Und hier fällt schon etwas auf: Im Impressum steht „Reckeberg GmbH“, die Domain des Shops lautet jedoch „reckberg.com“. Da hat wohl jemand ein „E“ vergessen. Dieser fehlende Buchstabe hat sicherlich so manchen Kunden vor einem finanziellen Verlust bewahrt.
Das Logo des Fakeshops: Er verrät sich durch das fehlende „E“. Nicht immer ist ein Fakeshop so leicht zu erkennen.


Die WHOIS-Abfrage: Die Domain ist erst wenige Wochen alt
Ein Blick in die WHOIS-Informationen der Domain reckberg.com zeigt, dass sie erst seit dem 30. Mai 2022 existiert. Der Shop selbst macht nicht den Eindruck, als stünde ein Start-up dahinter. Registrierung und Administration der Domain sitzen in Island. Das ist zwar möglich – eine Firma mit Sitz in Deutschland legt aus Datenschutzgründen aber normalerweise Wert darauf, dass Domain und Webauftritt in Deutschland gehostet werden.
Fazit
Dieser Shop war leicht zu enttarnen. Leider ist das nicht immer der Fall. Trotzdem gilt auch hier: die persönliche Gier etwas zurückstellen und den XMV einschalten (Anmerkung des Redakteurs: Xsonde MenschenVerstand). So lässt sich auch in anderen Situationen viel Ärger vermeiden.
Checkliste: So erkennst du Fakeshops
- Preis deutlich unter dem Marktpreis? Mit bekannten Händlern vergleichen. Extrem günstige Angebote sind das häufigste Merkmal von Fakeshops.
- Shopnamen googeln, am besten zusammen mit Begriffen wie „Fakeshop“ oder „Erfahrungen“. Warnungen tauchen oft schnell in Verbraucherforen auf.
- Impressum und Domain vergleichen: Passt der Firmenname zur Webadresse? Schon ein fehlender Buchstabe ist ein Warnsignal.
- Alter der Domain prüfen: Eine WHOIS-Abfrage zeigt, seit wann es die Domain gibt. Ist sie erst wenige Wochen alt, ist Vorsicht geboten.
- Firmensitz und Domainregistrierung vergleichen: Eine angeblich deutsche Firma mit Domainregistrierung im Ausland ist kein Beweis, aber ein weiteres Indiz.
- Google Shopping ist kein Gütesiegel: Auch Fakeshops tauchen dort weit oben auf.
- Nur Vorkasse? Bietet ein unbekannter Shop am Ende nur Überweisung bzw. Vorkasse an, lieber nicht bestellen.
- Fakeshop-Finder nutzen: Die Verbraucherzentrale bietet mit dem Fakeshop-Finder ein Werkzeug, mit dem du einen Onlineshop vor dem Kauf prüfen kannst.
Schon bezahlt? Dann sofort die Bank bzw. den Zahlungsdienst kontaktieren und Anzeige bei der Polizei erstatten.

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